01.05.2015 Mai-Wanderung rund um’s Dorf

Selbst Dauerregen konnte einige Wanderer nicht abhalten: Deshalb ließ es sich die 14köpfige Gruppe um Siegbert und Ilse Ringwald nicht nehmen, die alljährliche Halbtagswanderung am 1. Mai durchzuführen. Die Wanderführerin hatte ein wenig Heimatkunde auf dieser Tour eingeplant. So erfuhr man z.B. was es mit der ungewöhnlichen Straßenbezeichnung „Chalampestraße“ in Dotternhausen auf sich hat. Die bittere Armut in früherer Zeit zwang männliche Einwohner, sich in der Fremde zu verdingen. Es gab zu wenig fruchtbares Ackerland in und um Dotternhausen, um ausreichend Landwirtschaft betreiben und eine Familie ernähren zu können. Es wurden Handwerksberufe erlernt – hauptsächlich Maurer und Gipser -; diese reisten im zeitigen Frühjahr ins Elsass, in die Region bzw. das Dorf Chalampe, verdienten dort ihr Geld und kamen im Herbst wieder zurück zu ihren Familien. Im Laufe der Zeit konnten sie kleine, bescheidene Häuschen bauen – oft mit einem kleinen Stall für ein paar Geißen oder ein oder zwei Kühe. Ob aus Dankbarkeit oder einfach zur Erinnerung an die Zeit in Chalampe benannte man in Dotternhausen eine Straße nach dem elsässischen Dorf. Der frühere Bürgermeister Erwin Kästle erwähnte einmal, dass er mit dem damaligen Gemeinderatsgremium einen Besuch in Chalampe durchgeführt habe. Eine Partnerschaft, wie man sie aus vielen Städten und Gemeinden kennt, ist daraus jedoch nicht entstanden. Die nächste „Haltestelle“ legte man oberhalb vom Hofgut Gerigk ein. Dort sieht man linkerhand eine sanfte Anhöhe, auf welcher vor langer Zeit Wein angebaut wurde. Der Gewann- bzw. Flurname „Weinberg“ wird heute noch benutzt. Diese Ecke gilt als das sonnenreichste Fleckle in Dotternhausen. Es wurden Reben angebaut, die Trauben wurden geerntet und gekeltert; das Produkt war jedoch so sauer, dass man den Versuch sehr rasch wieder abgebrochen hat. Denn für den Weinanbau ist nicht nur die Sonneneinstrahlung wichtig, sondern auch die Qualität des Bodens – und die war und ist in Dotternhausen wohl nicht geeignet für den Weinanbau. An dieser Stelle unterrichtete die Vorsitzende die Wandergruppe über das Thema „Gesundheitswandern“, das im Albverein derzeit stark beworben werde. Sie führte mit den Teilnehmern einige Übungen durch, welche trotz des unangenehmen Regens gut gelangen. Weiter ging’s zum sogenannten „Russengrab“ – eine ernste und traurige Passage der Mai-Wanderung. Aber auch diese Sache darf nicht vergessen werden. Bei einem Bombenangriff aufs Zementwerk in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges kamen russische Zwangsarbeiter um’s Leben und wurden „auf Weisung von ganz oben“ nicht auf dem Friedhof sondern „an der Straße zum Plettenberg“ beerdigt. Zum Gedenken wurde damals ein Holzkreuz errichtet. Die Toten wurden Jahre später exhumiert und auf ordentlichen Friedhöfen bestattet. Das Kreuz wurde vor einigen Jahren durch ein schmiedeeisernes Exemplar ersetzt und erinnert stumm, aber eindringlich an diesen traurigen Teil unserer Dorfgeschichte. Weiter ging die Wanderung links ab durch den triefend nassen Wald bergan; am höchsten Punkt genoss man dann eine kleine Wein- und Kuchenverkostung. Die Vorsitzende hatte – als Verbindung zwischen dem Elsass und unserem eigenen Weinanbauversuch – eine Flasche elsässischen Edelzwicker dabei, außerdem gab’s Rotweinkuchen und für die Kinder Saft und Süßes. Man schloss die Rundwanderung mit einem Besuch des Projekts „Biotop Kirschenwinkel“ ab. In Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Heimatbund und des Landratsamtes wollen wir dieses Naturdenkmal weiter von Geäst, zähem Schilfbewuchs und Sträuchern befreien, um wieder ein wirkliches Feuchtgebiet anzulegen, welches allerlei Getier anlocken soll; die Flora – u.a. die Sumpfdotterblume – bekommt so wieder Luft und Licht zum Gedeihen und – wie man sah – hat sich diese mit ihren gelben Blüten bereits wieder stark ausgebreitet. Nun war’s aber genug mit Nässe und klammen Fingern; man genoss bei der Feuerwehrhockete noch ein gutes Schnitzel oder Kaffee und Kuchen und hatte trotz der durchdringenden Feuchtigkeit einen erlebnisreichen Wandernachmittag.

Hier einige (Regen-) Bilder